Licht und Kreuz

Wir stehen mitten in den Heiligen 40 Tagen der österlichen Bußzeit, der Vorbereitungszeit auf Ostern. Es ist eine Zeit der Gnade, der Heilung, der Hoffnung. Wenige Zeilen können nicht ausdrücken, welche Tiefe diese Zeit birgt – und wie sich alle Mühe lohnt, zu begreifen, was geschieht. In unserer Mutterhauskirche haben wir in diesen Tagen einen besonderen Schmuck auf den Altartreppen stehen: Aus dem dunklen Erdreich (in Kreuzform) blüht neues Leben. Nach dem Winter kommt der Frühling. Das Bild mag kitschig wirken, trägt aber eine tiefe Symbolik in sich.

Wir sehen das Kreuz und die dunkle Erde darin. Das Kreuz steht für unüberbietbares Leid, so unüberbietbar, dass alles Leid, alle Schreie und Rufe nach Hoffnung und Leben der Menschen und der Erde sich darin wiederfinden können.

Die Erde steht für ein „Hoffnungsdunkel“, das den Samen aufnimmt und ihn als blühendes Leben wiedergibt. Und so steht das Kreuz eben auch für die Überwindung des Leides und gar des Todes.

Das sind keine leichten und schnellen Schritte, sondern dieser Prozess braucht Zeit, fordert Mühe: das Kreuz anzuschauen, mich darauf einzulassen, was geschehen ist – damals, als Jesus eben dieses Kreuz auf seine Schultern nahm, und im Betrachten des Kreuzes alle meine Ängste, Leiden körperlicher und seelischer Art, mein Mühen und Kämpfen, mein Suchen und Fragen zu verbinden mit dem Kreuz Jesu, mit Jesus selbst, der mir in all meinen Leiden entgegenkommt, mich anschaut und mir Gnade, Heilung und neue Hoffnung schenken will.

Das Licht ist auch hier da. Immer. Unverlöschbar. Weil Gott – der uns im Antlitz Jesu anblickt – weiß, wie sehr wir dieses Licht brauchen. Ich in meinem Leben, wir in all den schier unlösbaren Fragen heutiger Zeit und nicht zuletzt die Kirche. Der Winter als Jahreszeit ist zu Ende. Und doch scheint es, als leben wir als Christen, als lebt die Kirche heute in „winterlicher Zeit“ (K. Rahner). Umso mehr braucht es tiefen Glauben, starke Hoffnung und neue entflammte Liebe.

Lange ruht der Same in der Erde, langsam wächst aus kleinem Keim neues Leben. Lange braucht das Menschenherz, sich in aller Furcht und Mutlosigkeit, in Trauer und Müdigkeit dem neuen Leben zu öffnen.

40 Heilige Tage,
Zeit der Gnade,
Zeit der Heilung im Licht Gottes.

 

Text und Foto: Dipl. Theol. Sabine Müller, Geistliche Assistentin der Ordensleitung


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